Rückblick Triathlon Locarno

Am vergangenen Samstag habe ich nun endlich meinen ersten „offiziellen“ Triathlon absolviert. Die Eindrücke sind noch frisch und ich will diese ungefilterten Gedanken verarbeiten, bevor sie noch weiter verblassen. Der „Rückblick Triathlon Locarno“ ist auch eine Retrospektive meiner Vorbereitung, dem Wettkampf selbst und dem Teil, wo Murphy wieder unbedingt mitmischen wollte.

Vorweg kann ich sagen, dass ich glücklich und stolz bin. Wenn ich mit einem Wort die Erfahrung Triathlon Locarno beschreiben müsste, würde ich „Intensiv“ wählen. Das zieht sich rückblickend tatsächlich durch alle Phasen: von der Anreise bis zur Abfahrt. Falls mich jemand fragen sollte, ob ich mir das noch einmal antun möchte, würde ich klar und deutlich mit „Ja, natürlich!“ antworten.

Vielleicht irgendwann auch mal mit einer noch höheren Messlatte… Für alle unter euch, die mit „Mini“ oder „Sprint“ nicht soviel anfangen können: Das Abenteuer, auf das ich mich da eingelassen hatte, bestand aus 500 Meter Schwimmen im See, 20 Kilometer Radfahren in den Bergen und 5 Kilometer Laufen am Lido von Locarno. Ohne Pause, die Zeit läuft auch in den beiden Wechseln (oft als T1 und T2 bezeichnet) weiter.

Anreisen und antesten

Die Einreise in die Schweiz war erwartungsgemäß. An der Grenze gibt es zu fast jeder Zeit eine Schlange. Ich hatte mich da seelisch und moralisch gut vorbereitet. Das ist übrigens an allen Grenzübergängen so und von Italien aus hatte ich den Vorteil, dass ich mir den Gotthard-Tunnel ersparen konnte, der zur Zeit eine Baustelle (und somit eine Garantie für Stau) ist.

Fahrrad Dachträger - Rückblick Anreise zum Wettkampf

Ich werde mich zukünftig eventuell nach einem besseren Dachträger für das Fahrrad umsehen. Ich hatte mir einen ausgeliehen, der seinen Zweck erfüllt hat. Ideal war der aber auch nicht und würde ich behaupten wollen, dass man bestimmt bessere Lösungen finden kann. Oder ich bin einfach zu ungeübt, um das Fahrrad so festzumachen, dass ich auch ein sicheres Gefühl beim Fahren habe.

Auch wenn mein Start erst für Samstag Abend vorgesehen war, bin ich einen Tag früher angereist, was sich definitiv als eine gute Idee erwiesen hat. So konnte ich am Nachmittag noch einmal den Neoprenanzug im Lago Maggiore ausprobieren, was mir eine ordentliche Portion Zuversicht vermittelt hat. Bis dahin war ich ein paar mal im Meer mit dem Anzug unterwegs, der See war mir zu dem Zeitpunkt noch komplett fremd.

Unterlagen und Startnummer abholen

Wenn die Anmeldung morgens um 8:30 aufmacht, muss man sich noch nicht in die Schlange stellen.

Ich war am Abend zuvor relativ früh eingeschlafen und bin dann dementsprechend zeitig aufgewacht. Ich habe mich also einfach aufs Rad gesetzt und bin eben mal zum Lido von Locarno gefahren, um meine Unterlagen mit Startnummer, Badekappe und Finisher-Shirt abzuholen.

Startnummer, Unterlagen und Badekappe - Triathlon Locarno 2021

Für den Vormittag waren aber die Starts der Kinder vorgesehen und meiner Frage nach den Unterlagen konnte man zu dem Zeitpunkt noch nicht nachkommen. Ich musste deshalb ein paar Stunden später noch einmal vorbeifahren.

Die Nervosität steigt langsam

Später habe ich mich dann um die weitere Vorbereitung auf den Wettkampf gekümmert. Ich fühlte mich gut vorbereitet, was meine Nervosität auf ein erträgliches Level gesenkt hat. Ich hab nochmal den Luftdruck der Reifen am Rad geprüft, die Kette noch etwas gepflegt und den Inhalt meiner Tasche mit der Checkliste überprüft.

Für alle geplanten Starts des Samstag Nachmittag war vorgesehen, dass die Wechselzone von 15:15 bis 16:15 geöffnet wird, um das Fahrrad unterzubringen und um den Platz vorzubereiten. Ich bin an der Stelle auch einer Schiedsrichterin großen Dank schuldig. Sie hat geduldig meine Fragen beantwortet und mir hilfreiches Feedback zur Organisation meines Platzes gegeben.

Aufregung vor dem Triathlon

Wir sind dann hinüber zum Lido gelaufen. Ich fing dann irgendwann mit ein paar Aufwärmübungen an, wir konnten den Jugendlichen von 14 – 17 Jahren beim Start zusehen und warteten so auf das Briefing am See, welches für 17:05 geplant war. Für 17:25 war der Start des Mini vorgesehen und so langsam fing ich an, mich zu fragen, worauf ich mich diesmal wieder eingelassen habe (mein Gesicht auf dem Foto sagt mehr als 1000 Worte).

Retrospektive Schwimmen

Der Start war diesmal so organisiert, dass alle 10 Sekunden zwei Athleten vom Ufer aus ins Wasser rennen durften. Wir sollten uns (mehr oder weniger) nach Startnummern sortiert anstellen. Mit meiner 505 war ich dementsprechend weit hinten positioniert, was mich aber nicht so sehr gestört hatte. Das Rennen fing ja eh erst beim Durchlaufen der Schranke mit dem am linken Bein befestigten Mikrochip an.

Schlange vor dem Start ins Wasser beim Triathlon Locarno 2021

Möglicherweise habe ich bei der Warterei im Neo aber bereits ordentlich Energie verloren. Es war sehr warm und meine Atmung war sicherlich alles andere als optimal. Die ersten Meter im Wasser waren auch eine Art Schocktherapie. Der Boden war aufgewirbelt und die Sicht war dadurch ziemlich mies.

Murphy hat sich an dieser Stelle sicher bereits ins Fäustchen gelacht. Nach 50 Metern ist mir nämlich erst aufgefallen, dass meine Schwimmbrille immer noch brav an meiner Stirn klebte. Ich habe das schnell lösen können. Nach etwas mehr als 13 Minuten bin ich schließlich aus dem Wasser gestiegen.

Später habe ich gesehen, dass die gemessene Zeit 14:46 betrug, weil man natürlich noch vom See bis zum Eingang der Wechselzone laufen musste. Immerhin habe ich den Weg dafür nutzen können, um wieder zu Atem zu kommen. Trotz allem war die Zeit ziemlich akzeptabel für meine Möglichkeiten und ich bin guten Mutes in die Wechselzone rein.

Rückblick auf das Radfahren

Beim Wechsel in T1 war ich mit 2:57 wohl eher Mittelmaß. Ich musste den Neo loswerden und mich einigermaßen auf das konzentrieren, was ich anziehen wollte. Ich hatte für den Fall, dass mir kalt sein könnte, Handschuhe und ein Radtrikot am Platz liegen. Nach dem Schwimmen war mir aber sehr warm und ich zog die Radschuhe sogar ohne Socken an. Nachdem ich Helm und Brille aufgesetzt habe habe ich mir mein Rad geschnappt.

Ich bin mit den Radschuhen wie auf Eiern zum Ausgang der Wechselzone gelaufen. Aus den Augenwinkeln habe ich wahrgenommen, wie sich jemand in der Wechselzone auf das Rad gesetzt und gleich eine Strafe dafür einkassiert hat. Erst am Ausgang habe ich dann brav auf mein Bike geschwungen, die Schuhe sind ohne Probleme in den Pedalen eingerastet und es ging los.

Noch ohne Plan, was auf mich zukommen würde

Ich wusste, dass es zirka 10 km Richtung Berge ging. Auf dem Diagramm wurden etwas mehr als 90 Meter Höhenunterschied ausgewiesen. Auf das, was da auf mich zukam, war ich als Flachländler aber nicht vorbereitet. Mit der Geschwindigkeit einer Schnecke bin ich bis nach Avegno hinauf gekrochen. Und da half es schlussendlich auch nicht viel, dass ich teilweise mit doppelter Geschwindigkeit wieder zurück nach Locarno gerast bin.

Kurz vor der Ankunft in Locarno bin ich an einem Kreisverkehr geradeaus durchgefahren. Der Ordner, der den Verkehr abgeriegelt hat, rief mir noch hinterher, aber ich war bereits auf einer dicht befahrenen Brücke, die das sofortige Umkehren unmöglich machte. Ich bin dann zähneknirschend bis zum nächsten Kreisverkehr, um da wieder umzudrehen und auf Kurs zu kommen.

Vermutlich war mein Adrenalin auf einem selten dagewesenen Level, ich habe die Gruppe, die vorher immer hinter mir war, wieder schnell eingeholt und bin dann schließlich mit einer Zeit von 46:29 ins Ziel. Das war zwar nicht unbedingt das, was ich mir erhofft hatte, aber in Anbetracht der Tatsachen, war ich doch froh und erleichtert die zweite Etappe gemeistert zu haben.

Zusammenfassung zum Laufen

In der Wechselzone angekommen, habe ich sofort meine Beine gespürt. Ich meine nicht das Gefühl, wenn man vom Radfahren auf das Laufen umsteigt. Ich fühlte ein ordentliches Brennen in den Oberschenkeln. Zudem hatte ich großen Durst. Ich hatte zugunsten des Reparaturkits auf die Wasserflasche am Rad verzichtet. Nun musste ich mich auf einen weiteren Kilometer einstellen, bevor mir Trinkbecher gereicht werden würden.

Die Strecke war zum Glück flach, aber mir war schnell klar, dass eine Pace von 6 Minuten pro Kilometer das Maximum sein würde. Ich war auch etwas besorgt, dass ich mir einen Krampf einfangen könnte. An der Verpflegungsstation angekommen, habe ich deshalb mir nicht nur Wasser sondern auch einen Becher mit einem Isodrink gegriffen.

Mal abgesehen vom Geschmack dieser Getränke, ich weiß nicht wie Trinken beim Laufen funktioniert. Ich habe erfahren, dass ich das (noch) nicht kann und musste jedesmal stehen bleiben. Vielleicht war das auch gut so, weil ich den Rest der Strecke dann ohne weitere Probleme zurückgelegt habe. Mit den Gedanken war ich ja bereits im Ziel.

Die Strecke war 2, 5 km lang, was also hieß, dass wir da 2 mal durch mussten. Die Stimmung war großartig und die „Forza!“-Rufe aus dem Publikum haben auch ordentlich geholfen. Am Straßenrand standen Schlangen von Kindern, die ihre Hände zum Abklatschen ausstreckten und die Helfer am Wasserstand haben sich förmlich selbst überboten.

Und zu guter Letzt

Die Laufzeit war erwartungsgemäß. Insgesamt sah meine Leistung dann so aus:

Schwimmen 500 m14:46
T12:57
Radfahren 20 km46:29
T22:29
Laufen 5 km30:26
Gesamt1:37:09.5

Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Ich bin natürlich mit dem Gedanken gestartet, meinen ersten Wettkampf in Triathlon (mit anderen Athleten) einfach gut durchzustehen und Spaß dabei zu haben. Insgeheim wollte ich natürlich nicht unbedingt Letzter werden, auch nicht in meiner Altersklasse. Da ich mir diesen Wunsch erfüllen konnte, war ich deshalb umso glücklicher.

Endlich angekommen in der Wechselzone

Nach dem Duschen sind wir noch zum Festzelt hinüber, um etwas zu essen und den erstplatzierten Athleten zu applaudieren. Ich war schon sehr beeindruckt, dass der Erste in meiner Altersklasse (M45-54) in der Gesamtwertung den 2. Platz mit einer Zeit von 57:34 erreicht hatte. Zum weiteren Herumstöbern gibt es auch die Resultate des Triathlons online (bei „Corsa“ einfach den Mini-Tri auswählen).


Schön, dass du bis hierher gelesen hast. Du hast bestimmt gemerkt, dass ich ich diesmal sehr viel geschrieben habe. Aber dieser Rückblick des Triathlons in Locarno ist mir tatsächlich sehr leicht gefallen. Ich würde mich sehr freuen, wenn du einen Kommentar beisteuern würdest!

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